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Interview: Johann König – Der Meister der Lässigkeit

Sina Dietz und Lucas Kurth 08. Mai 2019 07:01

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    Nach eigenen Worten nicht mehr so schüchtern wie früher, sondern „viel lauter“: Johann König. (Archivfoto)

Marl Seit über 20 Jahren ist er Comedian: Johann König. Wir fragten, ob er sich an seinen ersten Auftritt erinnert und was er gegen Nervosität tut.

Kennt Ihr diese Momente, in denen Ihr ganz unbewusst Menschen zum Lachen bringt? Ganz genau so hat Johann König damals seine Karriere begonnen. 20 Jahre später macht der Komiker das aber ganz bewusst. Vor seinem Auftritt in der Westfalenhalle konnten wir etwas mit ihm plaudern...

Du bist mit deinem neuen Programm „Jubel, Trubel, Heiserkeit“ auf Tour. Worauf können sich die Zuschauer freuen?

Vor ein paar Wochen waren wir in einer Halle, da war das Programm unter dem Titel „Husten, Schnupfen, Heiserkeit“ angekündigt. Als wir ein Foto von dem Plakat machen wollten, war es leider schon abgehängt. Zum Titel. Ich frage mich immer, was die Leute erwarten, da ich seit 20 Jahren Geschichten aus meinem Leben erzähle. Es geht um die Erziehung der Kinder, um den Schutz der Umwelt, aber auch um ein Unverpackt-Geschäft aus meinem Wohnort. Meine Mutter hatte früher einen Bioladen, aus diesem Grund bin ich sehr geprägt – wir kaufen nur im Bioladen. Darüber und über die Leute mache ich mich lustig, obwohl ich selbst einer bin.

Seit 1997 stehst Du auf der Bühne – da sind wir beide gerade geboren. Was für Veränderungen merkst Du auf der Bühne und im Publikum?

Die Zuschauer sind alle älter geworden und mit mir mitgewachsen. Es sind mehr Zuschauer geworden. Ich finde, in großen Hallen verliert sich ein bisschen der charmante Charakter von dem, was ich mache, denn eigentlich mache ich eher etwas für die Kleinkunst. Es ist ein intimerer Rahmen, wenn die Menschen näher an der Bühne sitzen und die Reaktionen kommen schneller.

Du liest in Deinen Programmen oft Gedichte vor. Erinnert Dich das an Deine Anfänge als Komiker? Welche Erinnerungen hast Du an diese Zeit?

Total. Ich lese in jedem Programm aus meinen Gedichtbüchern vor, und es sind immer noch dieselben wie damals, in die ich frische Seiten reinklebe. In einem Literaturcafé habe ich ein Gedicht vorgelesen, was gar nicht lustig sein sollte. Dann haben die Leute so gelacht, dass ich dachte, es muss witzig sein. Daher werden Gedichte immer ein Teil meines Programms sein. Allerdings bin ich längst nicht mehr die gleiche Person von früher – nicht mehr so schüchtern und leise, sondern viel lauter. Im Grundcharakter bin ich aber noch so wie früher.

Seit September 2018 bist Du wieder auf Tour. Wie viel Raum lässt Du Dir für Improvisation?

Wenn etwas Außergewöhnliches passiert, muss man es einbauen, aber nur dann, wenn es alle mitbekommen haben. Wenn in der ersten Reihe jemand etwas ruft, hören es nicht viele, in der letzten Reihe ist es etwas anders. Wenn aber in der ersten Reihe jemand aufsteht, kriegen das alle mit. Es kommt auf die Situation an und ob ich denke, dass es jeder gemerkt hat. Irgendein Fehler passiert immer.

Was ist für Dich typisch Ruhrpott?

Ich werde oft gefragt, ob die Leute anders reagieren, aber sie reagieren überall gleich verschieden, positiv wie negativ. Es gibt keinen Unterschied zwischen den Städten, ob viel gelacht wird oder nicht. Ob viel gelacht wird, hängt zum einem vom Programm ab, zum anderen aber auch vom Wochentag. Freitag und Samstag wird mehr gelacht als Montag und Dienstag.

Wie unterscheidet sich der Bühnen-Johann von dem privaten Johann?

Ja natürlich gibt’s da einen Unterschied. Die Stimme ist natürlich anders, weil ich auf der Bühne ein bisschen aufgeregt bin. Und ich spreche durch ein Mikro – das verändert die Stimme zusätzlich, weil ich die Leute ja auch alle erreichen will. Ich bin da wie ein Schauspieler, aber meine Stimme wird dabei nie bewusst verändert. Dieses Klischee mit der brüchigen Stimme erkläre ich mir durch die alten Fernsehauftritte. Wenn ich die heute sehe, denke ich mir selber: „Was ist das für ein Mensch? Ist der noch in der Pubertät?“ Deshalb würde ich mir so was nie antrainieren. Meine Stimme ist anscheinend besonders.

Wie sieht Deine Zukunft aus? Was planst Du für die Zukunft und gibt es noch etwas, was Du erreichen möchtest?

Ich wollte nie auf die Bühne, von daher gibt es solche Ziele nicht. Bisher bin ich sehr zufrieden. Ursprünglich wollte ich Lehrer werden, bin eigentlich Krankenpfleger, man könnte sagen, ich hatte eine Menge Glück. Ziel ist es, irgendwann ein neues Programm zu schreiben, welches genauso gut ist wie das jetzige. Ansonsten ist das Ziel für mich eher die Familie und dass alle gesund bleiben.

Früher kamst Du auf der Bühne immer sehr nervös rüber. Hast Du Tipps gegen Nervosität?

Beim ersten Auftritt habe ich vor dem Auftritt zehn Kölsch getrunken. Da habe ich gedacht, wenn ich nur noch mit zwei Promille auf die Bühne kann, wird es gefährlich. Es hilft also nur oberflächlich gegen Nervosität. Ich mache Yoga. Oft gähne ich kurz vor dem Auftritt, dadurch kann der Körper mehr Sauerstoff aufnehmen. Alternativ hilft ein Lutschbonbon. Wenn man gut vorbereitet ist, ist man auch nicht so nervös.

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