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Jan-Henrik nimmt Ehrenamt an: Mit Tatendrang nach Thailand

Jan-Henrik Seifert 12. Oktober 2017 11:10

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    Jan-Henrik sieht zwar cool aus, in Wahrheit aber ist er jemand, der sehr dankbar für das Leben ist und sich von Herzen freuen kann: auch über die Zusage für sein Ehrenamt.

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    Das „Beer Lao“ hat Jan-Henrik Glück gebracht. Nach diesem Schluck kam die Zusage für Thailand.

Teil 1 Was für ein tolles Wochenende! Endlich, die arbeitsintensiven Klausuren sind geschrieben. Jetzt kann ich meine Uni-Stadt Berlin verlassen und ohne schlechtes Gewissen nach Hause fahren, bevor ich Recklinghausen wieder verlasse, um in die weite Welt zu ziehen.

Die Bahnfahrt von Berlin nach Recklinghausen war, wie meist, irgendwie mit Umwegen verbunden. Heute ist es ein Stromausfall und so verpasse ich den Anschlusszug. Meine gute Laune kann allerdings nichts trüben, denn meine Oma hat heute alles für ein Abendessen vorbereitet. Die ganze Familie wird also schlemmen und die Leckereien genießen. In Laos habe ich oft von deutschem Essen geträumt. In Berlin träume ich auch, allerdings dort im Sinne von „Ich setze mich an einen gedeckten Tisch, und Mutter sowie Oma brutzeln meine Lieblingsgerichte, die ich trotz heimischer Rezepte sooo nie hinbekomme“…

Endlich, der Zug fährt am Hauptbahnhof in Recklinghausen ein und meine Eltern stehen… nirgendwo. „Toll,“ denke ich bei mir, „wo sind sie denn?“ Mein Handy brummt, eine WhatsApp: „Sind gleich da, freuen uns. Kuss Mama“. Ich hebe den Kopf und da biegt auch schon das Auto meines Vaters um die Ecke. Ich werfe den Rucksack in den Kofferraum und lasse mich von meiner Mutter fast zerdrücken. Es wird immer so sein und ich muss grinsen. Egal, ob ich nach einem Jahr aus Laos wieder nach Hause komme oder nach vier Wochen aus Berlin.

Zu Hause steht eine riesige Kiste in meinem Zimmer. „Was ist das denn?“, frage ich. Mit dem Absender, eine Spedition aus Hamburg, kann ich nichts anfangen. „Mach es auf“, lachen meine Eltern „du wirst dich freuen!“ Ich rüttele also an diesem großen Paket und bemerke, dass es sauschwer ist. Schnell ist es geöffnet und ich traue meinen Augen nicht. „Beer Lao“, mein Lieblingsgetränk in Laos. Kein Bier, was du an jeder Ecke bekommst. Meine Mutter hatte es in Hamburg als Überraschung für unseren gemeinsamen Familienessen-Abend geordert. Ich bin überglücklich, weil es etwas wirklich Besonderes ist. Von den zwölf Flaschen nehme ich vier mit zu meiner Oma. Die restlichen Flaschen sollen einige meiner Freunde, meine Unterstützer in Laos, hier zu Hause mit mir trinken.

Nach einem verspäteten Frühstück telefoniere ich zunächst mal mit meinen Freunden hier in Recklinghausen und treffe viele Verabredungen. Leider kann ich nicht alle und jeden treffen, so wie ich es gerne möchte, dafür ist ein Wochenende einfach zu kurz. „Schade“, denke ich, aber freue mich auf jedes noch so kurze Treffen.
Am Abend sitzen wir am reich gedeckten Tisch meiner Oma. Sie hat sich übertroffen und ich weiß gar nicht, wo ich zuerst zugreifen soll. Ich genieße also mein Beer Lao – schlückchenweise – und esse, esse , esse. Die Laune ist bei allen gut, und selbst als es anfängt, in Strömen zu gießen, sitzen wir gut gelaunt im Wohnzimmer und schmettern alte Lieder aus dem Radio mit. Dabei werden alte Geschichten erzählt und ich bin selig. „Was für ein schöner Abend, besser geht nicht“.

"Wir freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit", steht in der Mail

Es brummt wieder. Mein Handy, eine E-Mail: „Sehr geehrter Herr Seifert, wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass Sie an dem Projekt zwischen der Humboldt-Universität und dem Buri Ram-Technical-College teilnehmen können. Nähere Informationen ergehen in einem weiteren Schreiben. Wir freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit und bedanken uns für Ihre Bewerbung.“

Ich kann es nicht fassen. Vor Wochen hatte ich ein Motivationsschreiben über den thailändischen Kontakt dieses Programmes gefertigt und mich beworben. Es geht hier, wie auch in Laos, um das bessere kulturelle Verständnis und die unterstützende Lehrtätigkeit im Englischunterricht. Es besteht für fünf Personen der Humboldt-Universität aus dem Institut für „Asien und Afrika Regionalwissenschaften“ die Möglichkeit, ehrenamtlich dort in Thailand/Buri Ram tätig zu werden. Ich bin dabei und ich freue mich wie verrückt. Tobi, mein Mitstreiter aus Laos, und Kwan, meine Freundin, hatten sich auch beworben. Wir drei studieren im gleichen Institut. „Bitte,“ denke ich, „hoffentlich haben sie auch eine Zusage“. Ich bin gerade im Begriff, eine WhatsApp zu schreiben, da brummt es schon. Sie sind auch dabei.

Wir fahren also zusammen und haben dann auch noch ein wenig Zeit, um nach Laos zurückzukehren. Ich male mir schon jetzt aus, wie meine Schüler wohl reagieren werden, wenn Tobi und ich unser Versprechen einhalten und tatsächlich wiederkommen. Bislang ist noch kein Freiwilliger zurückgekehrt. Der Abend fing schon gut an, aber jetzt ist er unbeschreiblich. 1 000 Gedanken gehen mir durch den Kopf. Ein Flug muss gebucht, Impfungen aufgefrischt, Thai gelernt werden und so weiter und so fort. Ich lache, innerlich und äußerlich – ich bin das pure Glück heute Abend.

„Morgen, Jan-Henrik,“ dämpft meine Mutter meinen Tatendrang, „heute erzählst du uns erst einmal alles über dieses Partnerprojekt. Morgen werden wir nach Flügen schauen und unsere altbewährte To-do-Liste von deinem ,weltwärts-Jahr’ in Laos rauskramen. Es sind wahrscheinlich die gleichen Dinge zu erledigen.“
Wir heben die Gläser – mein Asienabenteuer geht also weiter und dies schneller als erwartet. Mehr davon bald hier bei Scenario…
Jan-Henrik Seifert (20, Recklinghausen) ist ein alter Bekannter unserer Reihe. Als einer der Ersten berichtete er bei Scenario von seinem Aufenthalt in Laos. Inzwischen studiert er Asien/Afrika-Regionalwissenschaften in Berlin und wird nun wieder bei uns über ein Uni-Projekt in Thailand und seine Rückkehr nach Laos berichten.

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